Streuner-Doku Tagebuch 

 

Hier erfahren Sie Kurzberichte über meine 3 monatige Reise ab März 2013.

 

 

 Italien

 

10.03.13

 

Wir sind am 8.3.13 in Pisa angekommen.

Dort haben wir im Nationalpark die Hunde gesucht, die ich innerhalb des Tuscany Dog Projektes von Günther Bloch 1,5 Jahre beobachtet habe. Von ürsprünglich über 13 Hunden ist nur noch einer da. Wir hatten ihn Bellino genannt. Wir machen uns heute Abend auf dem Weg nach Rom. Habe leider nur wenig Zeit, da mein Akku gleich leer ist.


  

12.3.13

 

Nachdem wir einen Tag in Rom verbracht haben, sind wir nach L Aquila in die Nähe der Abruzzen gefahren, dort haben wir die ersten Straßenhunde in einem Park gesehen. Scheinbar kümmert sich jemand um die Hunde, denn es waren dort einige neuwertige Hundehütten und Futternäpfe bereitgestellt worden. Auch wenn wir in einem Einkaufszentrum zwei weitere Hunde gesehen haben, sind hier in der Gegend noch nicht so viele Straßenhunde zu sehen. Am Nachmittag sind wir in die Abruzzen gefahren. Dort sind Wölfe weit verbreitet, entsprechend viele Maremannos (Italienische Herdenschutzhunde)sind dort zu sehen. Auf 1200 Höhenmeter fing es sehr stark an zu schneien, so stark, das wir uns entschieden haben, wieder ins Tal zu fahren. Aber wir hatten Glück und konnten einige Fotos von Maremannos im Schnee machen.

 

 


 

13.03.13

Wir besuchten ein Tierheim in Alba Adriatica. Dieses Tierheim beherbergt ca. 250 Hunde und wird von zwei deutschen Tierschützerinnen geleitet. Wieder einmal zeigte sich wie viel Arbeit und Nerven es bedeutet ein Tierheim im südlichen Ausland zu betreiben. Wir bedanken uns bei dem äußerst sympathischen Team für die vielen Infos und wünschen alles Gute für die wichtige Arbeit vor Ort.

 


16.03.13

In einem kleinen wunderschönen Dörfchen auf dem Weg nach Neapel haben wir einen jungen Dorfhund kennen gelernt. Dieser nahm sofort Kontakt mit uns auf und zeigte uns wortwörtlich sein kleines Dörfchen. Laut der Einwohner hat er keinen Besitzer, aber eine alte Dame sagte uns mit Händen und Füßen das dass ihrer sei. Wie selbstverständlich begleitete er uns durch das Dorf. Seine Lebensfreude war nicht zu übersehen. Permanent bellte und rannte er zwischen uns und den engen Gassen der Ortschaft hin und her. Es war eine große Freude diesen Hund in seinem beneidenswerten Umfeld zu verfolgen. Dieser Hund muss sicherlich von keinem Tierschützer gerettet werden.

 


 

17.03.13

Eine Begegnung der besonderen Art machten wir in 1000 m Höhe über Null. Nachdem wir um 7 Uhr morgens auf dem Parkplatz des Vesuvs angekommen waren, kamen uns drei Hunde mitten auf dem verlassenen und verschneiten Parkplatz entgegen. Da wir die ersten waren, hatten wir uns darüber gewundert, dass die Tiere in einem so guten Zustand waren und hätten niemals damit gerechnet, das ein paar Stunden später diese Hunde die eigentliche Attraktion am Vesuv waren. Es stellte sich heraus, dass die Tiere jeden Tag gefüttert werden und seit mehr als 6 Jahren hier oben leben.

 

Der Blick vom Vesuv auf Neapel.

 


 

18.03.13

Vom Vesuv runter auf dem Weg nach Pompei sehen wir immer wieder Straßenhunde. Auffällig ist, dass wir nicht wie in Rumänien viele Gruppen sehen, sondern hauptsächlich Hunde die alleine unterwegs sind. Eine Ausnahme bildete die 4 er Gruppe in Pompei. Klassische Touristenbegleithunde. Bevorzugt schlossen sie sich den jüngeren Touristengruppen an. Die Masche zog. Immer wieder bekamen sie Futter, trockenes Brot lehnten sie allerdings ab.

 


 

19.03.13

Wir sind in Castel Volturno. Dort besuchten wir Dorothea Fritz, eine deutsche Tierärztin,  die seit über 30 Jahren Kastrationsaktionen erfolgreich durchführt. Ein Abstecher in die Umgebung der Klink zeigte uns ein anders Bild von Italien. Es glich einem Ghetto und Straßenhunde gab es natürlich auch.

 

 


 

21.03.13

Wir fahren mit der Bahn nach Neapel. Eine furchtbare Stadt. Hier ist die Hölle los. Es ist laut, alles hupt und drängelt sich durch die engen Straßen. Wir trauen uns kaum die Kameras auszupacken. Das brauchen wir auch nicht, denn wir haben kaum Straßenhunde in der Stadt gesehen, dafür haben wir die beste Pizza der Welt gegessen, bei L`antica Pizzeria da Michele.


 

22.03.13

Wir mussten der Großstadt entkommen und sind weiter Richtung Süden gefahren, in ein winzig kleines Fischerdorf in die Nähe von Sorrento. Endlich wieder etwas Idylle, mit netten freilaufenden Besitzerhunden.

 


 Griechenland

 

25.03.13
 

 
Ich bin mit der Fähre in Igoumenitsa angekommen. Hier gibt es 2 Gruppen und ein paar Einzelgänger. Eine Gruppe ist kastriert und markiert durch orangene und gelbe Halsbänder. Von scheuen Straßenhunden kann auch hier nicht die Rede sein. Durch die Wirtschaftskrise wird viel demonstriert und die Hunde sind mit dabei. Diese holen sich auch von den Studenten bei der Mensa Essensreste ab. Einer der Demonstrantenhunde hat es sich zum Hobby gemacht Autos zu jagen, bleiben diese stehen, beißt er tatsächlich in die Stoßstange, unglaublich. Griechenland ist um einiges entspannter als Italien. Es ist sicherer, Diesel kostet nur 1,45 €, die Autofahrer fahren gesitteter, es gibt wesentlich mehr Parkplatzmöglichkeiten und viele Griechen sprechen deutsch und sind sehr freundlich. Ich bin gespannt wie es weiter geht.

 


 

27.3-29.3.13

 

Ich bin jetzt in Ioannina. Durch den Tipp eines griechischen und deutschsprachigen Gyrosverkäufers, wie soll es auch anders sein, hat mich meine Reise schon wieder zu einer Universität geführt. Hier gibt es diverse Gruppen, insgesamt ca. 20 Hunde. Einige sind sehr scheu andere wieder gar nicht, die nicht so scheuen, gehen regelmäßig am Abend in die Mensa und bekommen die Reste. Insgesamt ist es ein interessanter Ort, bei dem ich schon einige Studenten kennen gelernt habe und die mich auch zum dortigen Tierheim gebracht haben. Bisher habe ich über 2000 Fotos, nur on diesen Unihunden geschossen, es bleibt spannend.

 

Die Hunde in der Mensa

 

Oje, der Küchenchef kommt. Hunde müssen leider draussen essen.

 

 

Dank der Studenten, gehen die Hunde nach einer Minute wieder rein.

 

 

Mutti freut sich, die Hunde auch, der Küchenchef sieht nichts. Das würde es in Deutschland nicht geben:)

 


 

02.04.13

 

Ich bin per Zufall in einer alten Naturtherme gelandet. Dieser Ort war bis vor 5 Jahren eine Touristenattraktion. Mehrere alte und beschädigte Gebäude standen auf dem Gelände und waren frei passierbar. Wie sollte es auch anders sein, es leben fünf Hunde dort, die von den Anwohner der Gegend gefüttert werden. Auch sie führen kein Leben, das man als furchtbar beschreiben kann, allerdings bleibt die Frage offen, was passiert, wenn ein neuer Pächter kommt und alles restaurieren will, das soll laut Auskunft einer Hundefütterin, die regelmäßig in der Naturtherme baden geht, bald passieren.

 


 

 

03.04.13

 

Ich bin in Kavala. Besonders viele Straßenhunde habe ich nicht gesehen, Außer diesem kleinen Kämpfer. Er verdeutlicht, dass das Leben auf der Straße ganz klar auch Nachteile hat. Besonders gesund sah er nicht aus, fit genug um vor mir zu flüchten war er trotzdem noch.

 


 

06.04.13

Türkei

 

Dadurch das ich permanent, auf allen vieren durch die Gegend fotografiere und dann auch noch Hunde, falle ich entsprechend auf. Dies hat allerdings auch Vorteile, man wird oft angesprochen und lernt sehr viele Menschen kennen. So lernte ich einen deutschsprachigen Türken kennen. Er war begeistert von meinem Projekt und hat mir viel über die Hunde erzählt. Sehr viele sind hier kastriert worden und er zeigt mir etwa 17 km entfernt von Tegirdag ein Sinti Dorf. Eine andere Welt. Alle waren sehr freundlich und gaben mir einen Tee nach dem anderen aus ohne irgendwas dafür zu verlangen. Sie fanden es gut, dass jemand über sie und ihre Hunde schreiben wollte. Ihr Verständnis für die Haltung von Hunden, wie wir sie uns vorstellen, ist natürlich dieselbe, wie bei uns vor 50 Jahren. Aber was soll man erwarten von Menschen, die am wirklichen Existenzminimum leben.


 

07.04.13

 

 

Ich bin in Silivri. Eine sehr moderne Stadt, auch hier viele Hunde mit Ohrenmarke. Eine Besonderheit war eine geschlossene und aktive Gruppe von Hunden, die zusammen die Promenade erkundeten. Die Teilnehmer meines Vortragsabends wissen, dass das eher selten vorkommt. Ich vermutete eine läufige Hündin, bis ich merkte, dass sie mit dem Herren mit Kind spazieren gingen, kein Scherz. Innerhalb der Stadt warteten sie auf ihn, als er in einem Geschäft verschwand. Dann gingen sie mit ihm weiter, als er rauskam. Seine Haushunde waren es sicherlich nicht, ich denke, dass er die überwiegend jungen Straßenhunde regelmäßig füttert.

 

 


 

  

12.04.13

 

 

 

 

 

Ich bin in Istanbul/Beykoz. Hier gibt es einen Wald in dem 1000 bis 2000 (!) Hunde leben. Entlang einer Straße tummeln sich alle 200 Meter Gruppen von 20 bis 50 Hunden. Hier gibt es auch ein staatliches Tierheim. Die Hunde sind nicht im Wald geboren, sondern ausgesetzt worden. Das heißt, dass nicht alle wild oder scheu dem Menschen gegenüber sind und sicherlich könnten viele von ihnen in ein neues Zuhause ohne Integrierungsprobleme vermittelt werden. Wenn es nicht auch noch ca. 150000 andere Straßenhunde in Istanbul geben würde. Die Tiere die in den 18 (!) Tierheimen Istanbuls sitzen nicht mitgerechnet. Die Situation ist natürlich nicht akzeptabel. Wenn türkische Tierschützer sie nicht jeden Tag füttern würden, würden sie es hier nicht schaffen, durch die große Menge an Hunden, sind einige an Räude erkrankt.

 


 

Bulgarien

30.04.13

 

 


  

Der Grund warum ich lange nichts mehr geschrieben habe, liegt darin, dass ich in Bulgarien nur sehr wenige Straßenhunde gesehen habe. In den vielen dörflichen Gegenden gibt es hauptsächlich Hunde, die ihr Leben an der Kette fristen müssen. Selbst in kleineren Städten habe ich nur vereinzelt Hunde gesehen, kein Vergleich zu den anderen Ländern, die ich bisher bereist habe. Auch in der für bulgarische Verhältnisse großen Stadt Sofija, nur vereinzelt Hunde. Ich weiß nicht, ob das ein gutes oder schlechtes Zeichen ist. Auffällig war, dass die Hunde, die ich gesehen habe, sehr schreckhaft und ängstlich mir gegenüber waren, sobald ich sie fotografieren wollte und ihnen somit Aufmerksamkeit gab. Vielleicht eine Folge von großangelegten Einfangaktionen. Dies ist aber keine gesicherte Aussage. Ob Stadtrandgebiete oder abseits gelegen, überall gibt es Armutsviertel und manche Dörfer sehen aus wie Geisterdörfer, allerdings leben hier Menschen, die meisten sind eher Älter.

 

 

 

Rumänien

 01.05.13

 

 

 

 

 

 

Je mehr ich mich der Heimat nähere, desto weniger Straßenhunde sind zu sehen. Ich habe nochmal einen kleinen Abstecher nach Rumänien gemacht und bin in Timisoara gelandet. Dort habe ich eine Woche in einem privaten Tierheim mitgearbeitet. Hier gibt es ca. 300 Hunde, damit ist das Tierheim auch am Ende der Kapazitäten, überfüllt ist es aber nicht. Für rumänische Verhältnisse ist es ein gutes Tierheim. Es muss noch ein wenig improvisiert werden, da es erst seit ca. 10 Monaten steht. Es gibt reichlich Arbeit und der Chef und sein Team haben noch viel Ausbauarbeit vor sich. Unterstützt wird er von einigen Ehrenamtlichen aus Deutschland. Ich bedanke mich für die gastfreundschaftliche Aufnahme und wünsche für die Zukunft alles Gute.

 

Serbien

08.05.13

 

 Auch in Serbien gibt es Straßenhunde. Auffällig war, dass ich recht viele junge Hunde gesehen habe. In einem beliebten Touristenziel namens Avala, wurden und werden auch immer wieder welche ausgesetzt. Der kleine Mischling auf dem Foto, wurde von einer Ehrenamtlichen, die ich im rumänischen Tierheim kennen gelernt habe vor einem Kiosk gefunden. Ganz alleine streunerte der ca. 10 Wochen alte Welpe dort herum und wurde von der Kioskbesitzerin weggetreten. Jetzt ist er bei der Mutter der Ehrenamtlichen untergebracht. Das örtliche Tierheim nimmt keine Hunde mehr auf. Dort sind 230 untergebracht, mehr geht nicht. Bei der Frage, wie viele Hunde vermittelt werden, kann die Tierheimleiterin nur Schmunzeln. Die Vermittlung ist gleich null und eine Zusammenarbeit mit dem Ausland gibt es nicht. Immer mehr Leute wollen ihre Tiere abgeben, weil sie es sich nicht mehr leisten können, das kommt mit bekannt vor. Im Gegensatz zu Deutschland verdienen die Menschen hier allerdings nur 300 bis 400 Euro netto im Monat.

 

 

 

 

Duschko bei der "Sozialisierung" mit ausgesetzten Straßenhunden auf Avala

 

 

 

Deutschland

29.05.2013

 

Ich bin wieder zu Hause. Auf dem Weg durch Kroatien und Slowenien habe ich, fast wie erwartet keine Straßenhunde mehr gesehen. Umso schöner ist mir der Abschluss dieser Reise gelungen, indem ich Ecki, den einzigen Straßenhund Deutschlands in Eckardthausen fotografieren konnte. Seine Geschichte spiegelt all das wieder, was ich auch im Ausland erlebt habe. Auch in Deutschland gibt es Menschen, die Ecki nicht mehr auf der Straße haben wollen, er sollte im Zuge der Gefahrenabwehrverordnung erschossen werden (das ist allerdings mittlerweile gecancelt worden, er darf weiterleben), Tierschützer wollten ihn einfangen, andere sagen, dass er besser in der Freiheit aufgehoben ist, das ist auch übrigens meine Meinung. Genauso wie im Ausland auch, gibt es tierliebe Menschen, die ihn täglich versorgen und sich für ihn einsetzen. Bekannt ist mittlerweile, dass er in jungen Monaten, beim Menschen war und dort bereits als sehr ängstlich galt. Irgendwann lief er frei um das Dorf herum und sein Leben als Streuner begann. Mittlerweile ist er drei Jahre alt und meistert sein Leben mit Bravour.

 

 

 

Auch wenn die Reise eine sehr wertvolle Erfahrung für mich war, freue ich mich wieder da zu sein. Eine Zusammenfassung werde ich in den nächsten Tagen auf die Hauptseite setzen. Ich bedanke mich aber schon mal bei allen treuen Lesern meines Tagebuches und freue mich auf ein Wiedersehen.

 

 Die Zusammenfassung meiner 3 monatigen Reise auf den Spuren der Straßenhunde, finden Sie hier. 

 

Stefan Kirchhoff

Hundeschule Kirchhoff | kirchhoff22@hotmail.com/Tel:04795-958935